Chronik

1997-2006

Drei Jahrzehnte JuCo

Von China bis zum Garda­­see, neue Lei­tung und musi­ka­­lische Höhen­­flüge

Eine Dekade voller Meilensteine: Das 30-jährige Jubiläum 1997, spektakuläre Konzertreisen nach China und Italien, der Wechsel zur musikalischen Leitung von Paul Theis im Jahr 2001 und ein beeindruckender 5. Platz beim Landes-Chorwettbewerb 2005.

Der JuCo präsentierte sich mit einem breiten Repertoire von Händels Messiah über südamerikanische Folklore bis zu Passionsmusiken und erweiterte seinen musikalischen Horizont kontinuierlich. Chorreisen nach Celle, Kiel und Koblenz vertieften die Chorgemeinschaft.

17. Dezember 2006 – Misa Criolla: Als der JuCo Spanisch lernte

Außergewöhnliches Weihnachtskonzert in der nahezu ausverkauften Johanneskirche mit Ariel Ramirez‘ „Misa Criolla“ und „Navidad Nuestra“. Folkloristische Webteppiche schmückten Altar und Taufbecken, die Gruppe Piray spielte auf südamerikanischen Instrumenten. Tenorsolist Rodney Krick (gebürtiger Brasilianer) und Sängerin Daniela Prado mit rauchiger Stimme verzauberten das Publikum. Bei der Zugabe – nochmals das „Gloria“ – kannte das begeisterte Publikum keine Zurückhaltung mehr und klatschte enthusiastisch mit!

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8.-11. September 2006 – Chorreise nach Celle

Reise nach Niedersachsen mit Konzert in Beedenbostel. Die dortige Chorleiterin Claudia rief die Zuhörer spontan auf, uns Fahrräder für den nächsten Tag zur Verfügung zu stellen – und es funktionierte! Fahrradtour zum Backhausfest nach Ahlbeck mit Pizza und Butterkuchen, Ausflüge zur Heide und zum Kloster Wienhausen. Stadtführungen in Celle und Lüneburg. Gemeinsames Singen mit dem Kirchenchor Beedenbostel und viele unvergessliche Momente.

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19. Mai 2006 – Stuttgarter Chortage in St. Eberhard

Geistliches Konzert mit Werken von Schütz, van Buren, Albright, Rheinberger und Johannes Michels Jazz-Motette „Jubilate“. Eine spannende Mischung aus vier Jahrhunderten Chormusik.

1./2./12. April 2006 – Passionsmusik an drei Orten

Drei Passionskonzerte in Köngen (Kirche Zum Guten Hirten), Stuttgart-Sommerrain (Heilig-Kreuz-Kirche) und der Johanneskirche am Feuersee. Gemeinsam mit dem Coro Nuovo Köngen präsentierten wir ein anspruchsvolles Programm: Schütz‘ doppelchöriges „Aus der Tiefe“, Bachs „Jesu, meine Freude“, sowie zeitgenössische Werke von Lauridsen und Rutter. Begleitet von Johanna Buhrmann (Cello) und Antal Varadi (Orgel).

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Dezember 2005 – Weihnachtsoratorium Bach

Erstmals Bachs Weihnachtsoratorium I-III in der nahezu ausverkauften Johanneskirche. Solisten Susan Eitrich, Veronika Buhrmann, Stephan Frieß und Torsten Müller sowie das Concerto Tübingen unter Stefan Knote. Mit großem Textverständnis, Dynamik und Begeisterung vorgetragen. Paul Theis gelang es, alle Beteiligten zu Höchstleistungen anzuspornen – er wurde vom Publikum verdient gefeiert!

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15. Oktober & 20. November 2005 – Fünfter beim Landes-Chorwettbewerb!

Unter dem Motto „Dabei sein ist alles!“ nahmen wir am Chorwettbewerb teil. Regionalwettbewerb in Talheim: Völlig überraschend „hervorragender Erfolg“ und Weiterleitung zum Landeswettbewerb! Mit neuem Ehrgeiz studierten wir zwei zusätzliche Wahlstücke ein. Am 20. November eröffneten 35 aufgeregte SängerInnen den Landeswettbewerb in Esslingen. Ergebnis: 5. Platz in der „Königsklasse“ Gemischte Chöre – unter den besten fünf Chören Baden-Württembergs! Programm: Gloria (van Buren), Heißa Kathreinerle, In Pride of May (Weelkes), Fyer fyer (Morley), Vineta (Brahms), Abendlied (Hauptmann).

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17.-19. Juni 2005 – Chorreise nach Koblenz

„Warum ist es am Rhein so schön?“ – Antwort gefunden! Quartier in der Jugendherberge Festung Ehrenbreitstein mit atemberaubendem Ausblick über den Rhein. Konzert in der Abtei Rommersdorf gemeinsam mit dem MGV 1852 Weis und „Just 4 Fun“. Der Kapitelsaal mit seiner besonderen Akustik inspirierte zu spontanen Gesangseinlagen. Trotz Überlänge (über 3 Stunden!) forderte das Publikum Zugaben. Rhein-Mosel-Fahrt, Vier-Seen-Blick in Boppard, als Zaungäste beim Udo-Jürgens-Konzert. Fazit: Am Rhein ist es tatsächlich wunderschön!

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12./13. März 2005 – The Crucifixion

John Stainers hochromantisches Oratorium in der Marienkirche Stuttgart und im Münster Villingen-Schwenningen. Zwei völlig unterschiedliche Orgeln, zwei verschiedene Partnerchöre: In Stuttgart das Schickhard-Gymnasium unter Ulrich Zimmerle, in Villingen-Schwenningen die Capella Nova unter Christian Schmitt. Tenorsolisten Peter Schaufelberger und Marin Nagy überzeugten mit unterschiedlichen Interpretationen. Besondere Herausforderung für Organist Peter Lorenz: Der Schall des Chores erreichte die Empore Sekunden später als das Dirigat!

12. Dezember 2004 – Swinging Christmas

Traditionelle Weihnachtslieder im Pop- und Swing-Gewand. Thomas Gabriels groovige Jazz-Standards („Adeste Fideles“, „In dulci jubilo“), John Rutters „Best Time of Year“ und Morten Lauridsens atmosphärisches „O Magnum Mysterium“. Begleitet von Georg Ammon (Orgel), Andreas Streit (Kontrabass) und Martin Koch (Schlagzeug). Weihnachtslieder aus aller Welt rundeten das Programm ab.

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18. Juli 2004 – Querbeet in der Liederhalle

Gemeinsam mit dem Coro Nuovo Köngen im Mozartsaal: 90 Minuten Musikgeschichte von Madrigalen über Brahms‘ Zigeunerlieder bis zu Beatles, Pop und Swing. Begleitet von Dieter Alber am Piano. „Nicht wie Kraut und Rüben, aber dennoch spannungsvoll arrangiert“ – von Weelkes und Elgar über Folklore bis zu „Bridge over Troubled Water“ und „Ain’t misbehaving“.

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3./4. April 2004 – Also hat Gott die Welt geliebt

Passionskonzerte in der Petruskirche Stuttgart-Gablenberg und in Pfedelbach bei Öhringen. A-Cappella-Musik aus vier Jahrhunderten: Schütz („Also hat Gott die Welt geliebt“, Johannespassion), Bruckner („Locus iste“, „Christus factus est“), Spirituals und Stainer. Die Hohenloher Zeitung lobte: „Der lupenreine Gesang und die lebendige Gestaltung ließ vergessen, dass keine Instrumente mit im Spiel waren.“ Besonders beeindruckend: Die Fähigkeit vom geflüsterten Pianissimo zum raumfüllenden Forte zu steigern.

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Dezember 2003 – Händels Messiah

Der Junge Chor Stuttgart präsentierte in der Johanneskirche in Stuttgart unter Leitung von Paul Theis „The Messiah“ von Georg Friedrich Händel in englischer Sprache. Mitwirkende waren der Junge Chor Stuttgart, das Concerto Tübingen, Kerstin Steube (Sopran), Annerose Hummel (Alt), Hubert Mayer (Tenor), Torsten Müller (Bass). In der evangelischen Johanneskirche hätten auch die lutherischen Bibeltexte starke Wirkung gehabt.
Aber ein Werk in Originalsprache gesungen, zieht Zuhörerinnen und Zuhörer doch unmerklich näher zum Mittelpunkt eines Stückes, zumal beim „Messiah“ die Idee vom Librettisten Charles Jennes stammt, auf dessen Dichtung Händel seine Musik komponierte.

Solistinnen und Solisten beherrschten ihre Partien souverän und ließen das Publikum hören und fühlen, wie die Botschaft des Messias auf die Menschen immer neu wirkt. Der Junge Chor Stuttgart, der zum ersten Mal ein Oratorium vollständig sang, war sehr gut vorbereitet, auch bei schwierigen Einsätzen und Einwürfen stets präsent und sicher in Dynamik und Intonation. Das Orchester Concerto Tübingen begleitete einfühlsam und die Instrumental-Solisten ließen die typischen Spitzentöne in Händels Oratorium durchsichtig strahlen, da Paul Theis Chor und Orchester ausgewogen führte. Das Publikum dankte mit großem Applaus für ein anspruchsvolles Weihnachtskonzert, das zu Herzen ging.

Ruth Tollnek, Wilhelm-Hauff-Chorverband Stuttgart

Bericht aus der „Sängerzeitung“, Ausgabe 02/2004

2003: Chorreise nach Kiel

Anständigerweise wurde heuer auf der Hinfahrt keine Chorprobe abgehalten, reisten wir diesmal doch mit dem Zug. Kaum aber war der Chor in Kiel angekommen, wurde dies nachgeholt, denn am nächsten Tag sollten die SängerInnen gleich zweimal in dieser Stadt zu hören sein:

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Sonntag durften wir den Gottesdienst in einer der grossen Stadtkirchen (Nicolaikirche) mitgestalten und am Abend veranstaltete die Lutherkirche ein Begegnungskonzert, auf das wir uns zurecht freuen konnten: Zwar erwartete uns eine etwas staubige Akustik (dafür zeugte das noch nasse Schuhwerk vom letzten Regenguß), aber die Gastgeber waren sehr aufgeschlossen und guter Laune.

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Ein Experiment war für uns das Alleluia-Superround des Zeitgenossen W. Albright (ein von den einzelnen SängerInnen solistisch vorzutragendes, nach Belieben ineinander geschachteltes Fragmente-Gewaber). „Interessant“ hätte der Zuhörer kommentieren können, aber das Publikum gab sich gar begeistert. Mit John Stainer, einer Jazz-Motette und verschiedenen Spirituals begab sich der Chor dann wieder in gewohntere Gefilde.

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Eingerahmt wurde das Konzert von zwei mit der Lutherkantorei gemeinsam gesungenen Werken von Mendelssohn und Rheinberger. Für die anschließende köstliche Bewirtung war der ohnehin Nahrungsmitteln gegenüber aufgeschlossene Juco sehr dankbar.

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Ab Montag war dann Zeit, sich Kiel näher bringen zu lassen und nach einer Fördefahrt gen Laboe die Kenntnisse in Ostseefischen aufzubessern (mithilfe von Besteck, versteht sich). Einige nutzten sogar die Gelegenheit, ihre Badebekleidung zu benetzen (brrrr). Auf der Rückfahrt mit der Fähre dann das Unvermeidliche: Belästigung von Mitfahrenden durch nicht enden wollende Silcherliedle…

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Der Dienstags-Ausflug nach dem schönen Lübeck wurde uns vom Wetter offenbar gegönnt – die Sonne strahlte mit uns um die Wette. Auch hier wurde wieder dem ein oder anderen Besichtigungsobjekt mit dem Zücken der Stimmgabel gedroht – die Marienkirche musste dann dran glauben. Kiel weinte, als wir am Mittwoch wieder abreisten – zu Recht!

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September 2002 – Gardasee-Reise

Am 21. September saßen rund 40 kaum reisemüde Gestalten in einem Reisebus zurück nach Stuttgart und hatten 9 Stunden Zeit, sich von der vergangenen Woche am Gardasee zu verabschieden.

Vor sieben Tagen war man in eben diesem Bus bei schönstem Wetter erwartungsfroh gen Süden gefahren – nur der Chorleiter gönnte niemandem die Ruhe. Er hielt eine Chorprobe im Bus ab, was sich etwas schwierig gestaltete, da sowohl Dirigent wie auch Notenblatt im Minutenrhythmus im Dunkel der zahlreichen Gardaseetunnel verschwanden.

Vor Ort bezogen wir unsere schöne Bleibe am Berg mit Blick auf Riva. In den kommenden Tagen sollte für ausreichend Programm gesorgt sein: Es wurde die nährere und weitere Umgebung zu Fuß und per Bus erkundet: Riva und Umgebung, Malcesine, Sirmione, Venedig, Verona…

Mit einem Bergsteigerchor aus der Gegend bestritten wir unser erstes Konzert im Wechsel. Ein sehr spontaner, doch zu Höchstform auflaufender Dirigent schipperte uns durch die gesamte weltliche Repertoirebreite von Madrigal bis zum Jazz-Kanon. Begeistert applaudierendes Publikum und gut gelaunte ChorsängerInnen beschlossen zufrieden diesen zweiten Tag in Riva.

Der zweite Auftritt erwartete uns im Rahmen einer Vormittagsmesse im Dom des Heiligen Antonius zu Padua. Zitat aus dem Reisetagebuch: „Eigentlich paradox, zum Zwecke des Lobes Gottes zu einer so unchristlichen Zeit aufstehen zu müssen…“. Der Pater konnte nicht genug des Gesangs bekommen und so wurde die Liederliste kurzfristig noch etwas verlängert.

Das Singen kam auf dieser Reise wirklich nicht zu kurz: mehrere Proben auf der Hotelterasse, die Auftritte, viel Busgesang und ein Liedchen hier im Rocca, dort eines in einer Kirche, das andere in einer Klosterkapelle. So müssen Chor-Reisen sein!

Überdies bot das gemeinsame Reisen eine gute Gelegenheit, den altbekannten Mitgliedern mal wieder näher zu kommen und die neu Hinzugekommenen besser kennenzulernen. Die gute Stimmung während und nach der Reise begleitet uns hoffentlich auch während der kommenden Vorbereitungen auf unser Weihnachtskonzert.

Ich hab`s jedenfalls sehr genossen!

(Damaris Kliemt)

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9./10. März 2002 – The Crucifixion

John Stainers Passionsoratorium (1887) in der Taborkirche Freudenstadt und in St. Paul Esslingen. Gemeinsam mit dem CoroNuovo Köngen und verschiedenen Partnerchören. Solisten Johannes Kaleschke (Tenor) und Paul Theis (Bass), begleitet von Thomas Schmitz an der Orgel. Das in Deutschland fast unbekannte Werk des britischen Komponisten hat auf der Insel einen festen Platz im vorösterlichen Konzertbetrieb – „ein Geheimtipp“!

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The Crucifixion (1887)
John Stainer (1840-1901)
Oratorium für Tenor, Bass, Orgel und gemischen Chor

Mitwirkende:
Johannes Kaleschke, Tenor
Paul Theis, Bass
Thomas Schmitz, Orgel
CoroNuovo Köngen und Junger Chor Stuttgart (Leitung: Paul Theis)
Gesamtleitung: Paul Theis

09.03.02: Taborspatzen und Chor der Taborkirche, Freudenstadt
10.03.02: vox humana, Esslingen

Fast schon zur Tradition geworden sind unsere Passionskonzerte. Dieses große Werk für Soli, Chor und Orgel des britischen Komponisten John Stainer ist ein leider in Deutschland fast unbekanntes Werk, zählt jedoch als Geheimtipp. Auf der Insel hat es einen festen Platz im vorösterlichen Konzertbetrieb.

Sir John Stainer wurde am 6. Juni 1840 in London geboren und starb am 31. Mai 1901 in Verona. Der englische Komponist und Musikpädagoge war bereits mit 14 Jahren Organist und Chordirektor einer Londoner Kirche.

1859 wurde er Organist an der St. Paul’s Cathedral in London. Ab 1876 wirkte er als Professor für Orgel und Harmonie an der National Training School for Music, war ab 1881 deren Direktor, seit ihrer Erweiterung zum Royal College of Music 1883 Professor. 1888 trat er wegen Erblindung in den Ruhestand, erhielt im selben Jahr den persönlichen Adelstitel (Sir) und 1889 die Musikprofessur in Oxford.

The Crucifixion wurde 1887 speziell für den Karfreitag komponiert. Als Komponist war John Stainer stark von Mendelssohn und Spohr beeinflusst. Bekannt sind neben dem Crucifixion viele Chormelodien Stainers, besonders das When God of old sowie das Sevenfold Amen, das seit der Krönung Edwards VII. bei keiner Krönung in Großbritannien gefehlt hat.

März 2001 – „I can tell…“ Passionsmusik im Gospelstil

„I can tell…“ – Passionsmusik im Gospelstil
Viel zu erzählen haben die Sängerinnen und Sänger des Jungen Chores Stuttgart derzeit tatsächlich, denn seit Beginn des Jahres steht der Chor unter der neuen Leitung des Kirchenmusikers Paul Theis.

Der Dirigentenwechsel brachte für den Chor natürlich einige Veränderungen mit sich, so hatten sich die Sängerinnen und Sänger innerhalb kürzester Zeit auf ein völlig neues Repertoire, einen anderen Stil und ein neues Probenumfeld einzustellen.

Bereits im März nutzten Chor und Chorleiter dann die Gelegenheit, sich erstmals gemeinsam der Öffentlichkeit zu präsentieren. Im Rahmen zweier Kirchenkonzerte waren klassische Werke von Johann Sebastian Bach, Heinrich Schütz und Johann Hermann Schein sowie die Spirituals „I can tell the world“ und „Soon ah will be done“ zu hören. Sie bildeten das Rahmenprogramm für das im Mittelpunkt stehende Crucifixion von Paul Ernst Ruppel. Das eher unkonventionelle Werk berichtet in deutscher Sprache vom Passionsgeschehen, während es sich rhythmisch und musikalisch an den Spiritualvertonungen der schwarzen Bevölkerung Nordamerikas orientiert. Diese wenig bekannte, im Stil einer Betrachtung gehaltene Passion verlangte von den Choristen ein hohes Maß an rhythmischer Prägnanz und Intonationssicherheit.

Unterstützt wurden sie dabei von Posaunist Herward Haidinger, Bassist Rainer Frank und von Paul Theis, welcher die Rolle des Vorsängers übernahm. Doch damit nicht genug, der engagierte Kirchenmusiker überzeugte mit seinem Vortrag der Orgelwerke von Johann Sebastian Bach, begleitete zusammen mit Chorsängerin und Cellistin Monika Wunderer die Chorsolistinnen Damaris Kliemt und Andrea Kwasniok am Cembalo bzw. an der Orgel und dirigierte natürlich auch noch den Chor.

So manche „überstunde“ hatten Chorleiter und Chor im Rahmen der Vorbereitung für die Konzerte geleistet. Entlohnt wurden sie dafür mit reichlich Applaus eines begeisterten Publikums.

Manch treuer Anhänger des Jungen Chores vermeinte gar seinen Chor kaum wieder zu erkennen. Und das lag sicher nicht allein an den neu eingekleideten Chordamen.

(Gesine Kudermann)

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1999: Konzertreise nach China – Peking und Hongkong

Der Junge Chor Stuttgart e.V. besuchte kürzlich im Rahmen einer Konzertreise die Städte Peking und Hongkong. Die 21 Sängerinnen und Sänger um Chorleiter Bernd Noll stellten dem chinesischen Publikum in zwei Konzerten deutsches Liedgut verschiedener Epochen und Stilrichtungen, Volkslieder aus aller Welt sowie Pop & Swing vor.

Ein Gruppenbild gehört einfach zu jeder Reise dazu: Der Junge Chor Stuttgart mit seinen 21 Sängern und Sängerinnen sowie Chorleiter Bernd Noll bei seiner Konzertreise nach Peking und Hongkong

Ausgesprochen sachkundig waren die Zuhörer beim Konzert des Jungen Chores in der Deutschen Botschaft in Peking. So waren hier unter anderem auch Sängerinnen und Sänger von verschiedenen chinesischen Chören zugegen. Das Interesse an deutschen Volksliedern war groß und so manches Notenblatt wechselte bei dieser Gelegenheit den Besitzer. Auch das chinesische Fernsehen schnitt Teile des Konzertes mit. Die jüngere Generation, die sehr zahlreich zum Konzert des Chores in die Halle des Chinesischen Nationalorchesters strömte, begeisterte sich indessen mehr für die dargebotenen Pop- und Swingtitel. So manches chinesische Kind vergaß dabei die sonst übliche Disziplin und wagte ein vorsichtiges Mitschnippsen.

So westlich sich Peking den Reisenden in Bezug auf Mode, Städtebau und das Vorhandensein bekannter Restaurantketten darstellte, umso unbegreiflicher waren die unterschiedlichen Reaktionen der einheimischen Bevölkerung auf die sogenannten Langnasen. Die Stuttgarter Choristen erlebten, wie eine Polizeipatrouille vor lauter Staunen und Lächeln aus ihrem Gleichschritt-Marsch geriet und eine der sonst sehr disziplinierten Schulklassen in Geschrei und Winken ausbrach. Die dörfliche Bevölkerung reagierte ausgesprochen vorsichtig und zurückhaltend, ein Winken gestatteten sich nur Kinder und Jugendliche und schien eher einer Mutprobe zu gleichen.

Ein Besuch der Großen Mauer und des Kaiserpalastes gehörten genauso zum Besichtigungsprogramm des Jungen Chores wie ein Konzert mit chinesischen Volksweisen. Aber auch hier blieben die Langnasen nicht unbemerkt und wurden im Anschluss an das Konzert vom auf zeichnenden Fernsehen zum Kurzinterview gebeten. Zum Abschluss dieser erlebnisreichen Reise bekam die Sängerschaft aus Stuttgart selbst ein Ständchen dargeboten. Zhao Da Li, der als Reiseführer die jungen deutschen Sänger mit seinem Witz und Wissen begeisterte, sang mit klarer Stimme zwei chinesische Liebeslieder.

(Gesine Kundermann)

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Pfingsten 1997 – Reise in die italienischen Marken

Das erste Halbjahr läßt sich wieder gemächlich an: allenthalben neue Gesichter, und manch einer stellt sich die Frage, wie lange wohl der Zeichensaal, in den wir vor geraumer Zeit ausgelagert wurden, unseren Platzansprüchen noch gerecht wird.

Die Chorfreizeit in Plochingen läßt einen neuen Trend erkennen, die Frisbeefraktion wird ins Leben gerufen. Geprobt wird dort auch bereits ganz gezielt für eine neuerliche Reise in die italienischen Marken. So rollt dann tatsächlich an Pfingsten ein Zug mit einer ganzen Ladung Sangeswütiger gen Jesi. Die starken Mauern von St. Elena, die sich hier schon für unseren Auftritt bereithalten, kann wohl nichts mehr erschüttern, halten sie doch selbst dem Anblick von kichernden Ministrantinnen im Minirock oder in Jogginghosen stand. In den imbißfreien Minuten grassiert mal wieder das Frisbeefieber; glücklicherweise ohne nennenswerte Verluste. Unter Imbiß versteht man im Juco übrigens nicht die allseits übliche Currywurst, sondern in der Regel ein dreigängiges Menü. Sollten es doch einmal mehr Gänge werden, füge man das Wort klein an und die Magensäfte sind sich der Überstunden gewiß.

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Auch Amor leistet so manche Überstunde in unserem Chor, und so haben denn seine Pfeile schon des öfteren voll ins Schwarze getroffen. Zwei seiner Opfer scheuen nun selbst den dornigen Weg durchs Rosenspalier nicht und sind somit reif für eine richtige Juco-Hochzeit. Als wir im Juli die Treppen vor dem Großen Haus in ein Freiluft-Studio verwandeln, hat die Sonne offenbar ihre eigene Vorstellung davon, wie ein gutes Chorfoto auszuleuchten sei. So gereichen die Bemühungen des Fotografen, den Juco ins rechte Licht zu rücken, zur allgemeinen Belustigung, nicht nur der abendlichen Theatergänger. Belustigt sind vielleicht auch die ehemaligen jüdischen Mitbürger beim Abschiedsessen im Schloßgarten-Hotel, als sich herausstellte, wie nützlich Handys tatsächlich sind. Denn woher sonst auf die Schnelle ein A nehmen – dem Freizeichen sei Dank – wenn man gerade mal seine Stimmgabel verlegt hat? Diese ist dann beim gemütlichen Beisammensein am Katzenbacher Hof nicht mehr von Nöten, welches allerdings auch schon wieder die Ferienzeit ankündigt, die Stillschweigen über Noten und Stimmen bereitet. Doch eines ist gewiß: man sieht sich im Herbst – im Juco.

(Gesine Kudermann)

1997: 30-jähriges Jubiläum

Grußwort von Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster:

„Der Junge Chor Stuttgart wurde 1967 unter dem Namen Stuttgarter Jugendchor gegründet und war damit zu dieser Zeit der erste Chor in Stuttgart, in dem junge Menschen regelmäßig zum gemeinsamen Singen zusammenkamen. Der JuCo demonstrierte sein Können bei offiziellen Empfängen von Stadt und Land, beim Besuch des Bundespräsidenten und beim Treffen ehemaliger jüdischer Mitbürger. Besonders hervorgehoben: Das soziale Engagement durch Wohltätigkeitskonzerte für die AMSEL (Aktion Multiple Sklerose Erkrankter). Dem Jungen Chor danke ich für seine vielfaltigen Aktivitäten und wünsche Sängerinnen und Sängern weiterhin alles Gute und viel Erfolg.“

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